Ihr religiöser und kultureller Mittelpunkt für Deutschland

Wenn man durch die Gassen der Lübecker Altstadt streift, spürt sofort, dass dieser Ort mehr ist als eine Ansammlung mittelalterlicher Backsteinfassaden. Die von der Trave umflossene Insel birgt geistiges Kapital, das über Jahrhunderte gewachsen ist und heute im Future Forum on Culture einen zeitgemäßen Ausdruck gewinnt. Das Forum begreift sich nicht als Museum, sondern als lebendige Schnittstelle zwischen Glaubenstraditionen, künstlerischem Schaffen und gesellschaftlichem Diskurs. Es richtet sich an Suchende, Zweifelnde und Engagierte aus ganz Deutschland, die religiöse Tiefe und kulturelle Vielfalt nicht nur betrachten, sondern aktiv mitgestalten möchten. Während die Kirchenaustritte zunehmen und religiöse Identitäten diffuser werden, bietet dieser Knotenpunkt Orientierung ohne Dogmatik und Gemeinschaft ohne Vereinnahmung. Was das Haus konkret präsentiert und warum es weit über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus Beachtung verdient, lesen Sie hier.

Wissensweitergabe: Bibliothek und Archiv des Forums

Ein oft übersehener, aber entscheidender Baustein ist die wissenschaftliche Infrastruktur, die das Forum sukzessive aufbaut. Die Präsenzbibliothek beinhaltet inzwischen mehrere tausend Bände zur norddeutschen Kirchen- und Kulturgeschichte, unter ihnen seltene Erbauungsschriften des 17. Jahrhunderts, die digitalisiert und öffentlich verfügbar gemacht werden. Dieses Angebot richtet sich nicht nur an akademische Forschende, sondern explizit an Laien, die zum Beispiel eine Familienchronik um religionsgeschichtliche Aspekte anreichern möchten. Ein halbjährlicher Kurs zur Quellenkunde übermittelt grundlegende paläografische Fähigkeiten, sodass Interessierte lernen, alte Kirchenbücher selbständig zu lesen und zu interpretieren. Damit nimmt das Forum eine archivpädagogische Funktion, die in der deutschen Bildungslandschaft selten geworden ist und das kulturelle Erbe vor der Vergessenheit erhält. Die Bibliothek sieht sich zudem als Gastgeberin für Wanderausstellungen, die von hier aus an andere Standorte in Deutschland übermittelt werden und so den Radius des Knotenpunkts kontinuierlich vergrößern.

Feierlichkeiten im Jahreskreis: Traditionen zusammen erleben

Das Kirchenjahr und die Festkalender anderer Religionen bieten ein rhythmisches Gerüst, das dem Programm eine verlässliche Struktur verleiht. Anders als in Gemeinden, die mit schwindenden Ressourcen kämpfen, kann das Forum aufwendige Feiern inszenieren, die mehrere Traditionen in eine gemeinsame Dramaturgie einbinden. Höhepunkt ist das mehrtägige Lichterfest im November, das beginnend mit dem Martinstag Elemente des christlichen Laternenlaufs, des hinduistischen Diwali und des jüdischen Lichterfestes Chanukka aufgreift. Jede Gemeinschaft steuert eine typische Lichtsymbolik bei, und am letzten Abend zieht ein schweigender Fackelzug durch die Altstadt, der an der Trave endet, wo alle ihre Lichter gemeinsam auf dem Wasser aussetzen. Solche Formate schaffen eine emotionale Dichte, die intellektuelle Dialogformate nicht herstellen können, und bleiben den Teilnehmenden oft über Jahre im Gedächtnis. Sie sind zugleich ein barrierearmes Angebot für Familien, die nach sinnvollen Ritualen suchen, ohne sich an eine Institution binden zu müssen.

Die Kirchenbauten Lübecks: Über steinernen Zeugen

Lübecks Kirchen sind nicht nur Kulissen, sondern engagierte Partner des Forums. St. Marien mit seiner Backsteingotik, der romanische Dom oder die reduzierte Gestaltung von St. Petri bieten verschiedene Raumatmosphären, die die Veranstaltungen gezielt aufgreift. Eine Veranstaltungsreihe zur Lichtsymbolik in den Religionen wirkt in den Sterngewölben der Marienkirche völlig anders als in einem neutralen Schulungsraum. Das Forum nutzt diese baulichen Ressourcen, indem es Besichtigungen bereitstellt, die theologische, kunstgeschichtliche und stadtplanerische Blickwinkel verbinden. Besucher verstehen dadurch nicht nur, warum eine Kirche gebaut wurde, sondern auch, welche soziale Struktur sich in ihrer Raumgliederung widerspiegelt. Diese Art der Wissensvermittlung reicht über traditionelle Kirchenpädagogik hinaus, weil sie die Kirchen als lebendige, fortlaufend transformierte Sinngeber deutet und nicht als unveränderliche Kunstschätze einer früheren Ära behandelt.

In der Praxis bedeutet dies für Besucher, dass sie bei einer Abendveranstaltung im Dom nicht nur einer Rede zuhören, sondern durch eine eigens inszenierte Lichtinstallation und kurze musikalische Einschübe in einen Dialog mit dem Raum treten. Derartige Angebote ziehen auch Besucher an, die keine Kenntnis liturgischer Abläufe haben, aber eine künstlerische oder sinnsuchende Haltung einbringen. Das Forum schult zudem Helfer als „Raumbegleiter“, die bei festen Besuchszeiten in den Kirchen bereitstehen und Fragen gerne beantworten, ohne Bekehrungsversuche zu unternehmen. Dieses unkomplizierte Programm hat in den letzten Jahren zu einer messbaren Zunahme von Einzelbesuchern geführt, die angaben, eine Kirche zunächst nur wegen des Tourismus aufgesucht zu haben, dann aber mit nachdenklichen Eindrücken wieder verlassen zu haben. Die Interaktion von Ort und Programm erzeugt eine Wirkung, die bloß wissensbasierte Ansätze nicht erreichen können.

Eine Stätte mit Geschichte: Die Altstadtinsel als Bühne

Das Future Forum ist keineswegs ein zufällig gewählter Name, sondern Konzept. Lübeck war als Haupt der Hanse immer ein Schmelzpunkt von Waren, Ideen und Glaubensrichtungen. Die sieben Türme der Kirchen prägen bis heute die Silhouette und gemahnen daran, dass Handel und Spiritualität hier nie getrennt wurden. Das Forum greift dieses historische Fundament zurück und transformiert es in eine dialogische Praxis, die Unternehmergeist mit Kontemplation verbindet. Besucher entdecken eine Stadt, deren Pflaster selbst als Schwingungsraum für kulturelle und religiöse Fragen dient. Wer sich auf diesen Resonanzraum öffnet, begegnet nicht nur steinernen Zeugen der Vergangenheit, sondern einer lebendigen Infrastruktur, die das geistige Erbe für heutige Debatten nutzbar macht. Diese Kontextualisierung ist ein Unterscheidungsmerkmal, das urbane Denkmäler aus ihrer rein touristischen Vermarktung befreit und ihnen eine aktive gesellschaftliche Funktion zurückverleiht.

Entscheidend ist die bewusste Entscheidung, keine abgeriegelte Tagungsstätte am Stadtrand zu bauen. Statt dessen sind die Aktivitäten des Forums über mehrere historische Gebäude der Innenstadt verteilt, was eine physische Auseinandersetzung mit dem kulturellen Gedächtnis der Stadt verlangt. Ein Symposium zur mittelalterlichen Mystik erfolgt eben nicht in einem neutralen Konferenzraum statt, sondern im Kapitelsaal eines ehemaligen Stifts. Dieses Prinzip der Ortsgebundenheit produziert eine Authentizität, die kein noch so durchdachtes Bildungskonzept simulieren könnte. Wer an einer Veranstaltung teilnimmt, durchschreitet automatisch die Altstadtgassen, saugt die Gerüche und das Licht der Ostsee auf und wird so bereits vor Beginn der eigentlichen Sitzung in eine offene Stimmung geführt. Diese untrennbare Verbindung von Ort und Inhalt macht den Knotenpunkt zu einem besonderen geistigen Labor in Deutschland.

Praktizierte Ökumene: Der religionsübergreifende Auftrag des Forums

Das Wort „religiöser Knotenpunkt“ würde sein leeres Marketing bedeuten, wenn er sich nur auf christliche Konfessionen beschränken. Das Future Forum definiert Religiosität weit und schließt jüdische, muslimische, buddhistische und weitere Stimmen durchgängig ein. Basis ist ein Kuratorium, in dem Vertreter verschiedener Gemeinschaften gleichgestellt über das Programm abstimmen. Diese strukturelle Maßnahme vermeidet, dass interreligiöser Dialog zur folkloristischen Begegnung wird, sondern gewährleistet eine echte Teilhabe an Ressourcen und Entscheidungen. Praktisch bedeutet dies, dass weder die die Adventszeit und auch nicht das muslimische Fastenbrechen das Programm bestimmen, sondern dass ein harmonischer Rhythmus über das ganze Jahr hindurch alle Perspektiven zur Geltung kommen lässt. Besucher wissen zu schätzen, dass sie hier keine vorgefertigten Antworten bekommen, sondern in kontrollierten Settings ihre eigenen Fragen präzisieren können.

Die Gespräche der Abrahamsreligionen Gespräche

Ein bewährtes Format ist die monatliche Reihe „Abrahamitische Gespräche“, bei der eine jüdische, eine christliche und eine muslimische Stimme einen gleichen Text aus ihren jeweiligen Traditionen kommentieren. Dabei geht es nicht um eine Instrumentalisierung oder harmonistische Angleichung, sondern um das präzise Herausarbeiten von Differenzen und verblüffenden Gemeinsamkeiten. Die Texte werden vorab verschickt, sodass die Teilnehmenden vorbereitet in den Abend gehen. Die Gespräche finden reihum in der Synagoge, einer Kirche und der Moschee statt, was zusätzlich das gegenseitige Kennenlernen der Räume fördert. Diese Rotation ist mehr als ein symbolischer Akt; sie verhindert, dass sich eine Gastgeber-Mentalität einschleicht, und macht alle Beteiligten gleichermaßen zu Gästen und Gastgebern. Aus dieser Reihe sind bereits mehrere Publikationen hervorgegangen, die als Unterrichtsmaterial für den Religionsunterricht in ganz Deutschland dienen.

Stille Meditation und Stille

Neben dem Wortaustausch pflegt das Forum den Dialog jenseits der Sprache. In einem früheren Kaufmannshaus wurde ein meditativer Raum eingerichtet, der gezielt ohne dominante religiöse Symbolik auskommt und allen Menschen offensteht. Täglich zweimal finden dort geleitete Sitzeinheiten statt, die von geschulten Meditationsleitern unterschiedlicher Traditionen angeboten werden. Ob Zen-Meditation, christliches Herzensgebet oder achtsames Atmen – die Methoden wechseln, die Substanz der Stille bleibt. Teilnehmer berichten, dass dieser bedingungslose Zugang ihnen einen ersten Weg zu spiritueller Praxis eröffnet hat, den sie im konfessionell gebundenen Rahmen nie gesucht hätten. Der Raum wird zudem regelmäßig für Schweigeseminare am Wochenende genutzt, die eine erwünschte Unterbrechung des digitalen Alltags darstellen und Menschen aus dem gesamten Bundesgebiet nach Lübeck führen.

Kulturtransfer auf neuen Wegen: Workshops und Debatten

Das Forum begreift kulturelle Bildung als einen gestalterischen Prozess, der nicht durch passive Rezeption, sondern durch aktives Tun gelingt. Deshalb erhalten praktische Workshops einen breiten Raum ein. In der Kalligrafie-Werkstatt etwa lernen Teilnehmende nicht nur arabische, hebräische und lateinische Schriftzeichen, sondern befassen sich ganz nebenbei mit der kulturhistorischen Bedeutung von Schriftreligionen. Ein anderer Kurs lehrt die Kunst des Ikonenschreibens mit zeitgenössischen Materialien und bietet so einen Zugang zur orthodoxen Spiritualität, der von kunsthistorischen Erklärungen allein nie geleistet würde. Solche Angebote zielen auf gezielt jene, die intellektuelle Zugänge zu religiösen Themen suchen, aber oft an einer vermeintlich elitären Fachsprache scheitern. Das haptische Erleben senkt die Hemmschwelle und verfestigt das Erlernte tiefer als jeder Vortrag.

Zukunftswerkstätten für junge Erwachsene

Ein spezieller Schwerpunkt liegt auf der Arbeit mit jungen Erwachsenen zwischen 18 und 30 Jahren, die in konventionellen Gemeindestrukturen nur noch schwer zu erreichen sind. In mehrtägigen Zukunftswerkstätten erarbeiten die Teilnehmenden individuelle Projekte an der Schnittstelle von Spiritualität und gesellschaftlichem Engagement. Ob ein interreligiöser Gemeinschaftsgarten, eine Podcast-Reihe zu ethischen Dilemmata oder ein mobiles Atelier für Trauernde – das Forum stellt ein Startbudget und Coaching zur Verfügung. Die Ergebnisse belegen, dass diese Generation nicht ohne Glauben ist, sondern religiöse Fragen lediglich anders formuliert und in informelleren Kontexten verhandelt. Das Forum schafft dafür eine Plattform, die weder vereinnahmt noch pädagogisch bevormundet, sondern offen unterstützt. Aus diesen Werkstätten sind bereits jetzt dauerhafte Initiativen entwickelt, die inzwischen eigenständig im norddeutschen Raum wirken und das Netzwerk des Knotenpunkts kontinuierlich erweitern.

Podiumsreihe „Glaube und Gesellschaft“

Alle drei Monate lädt das Forum zu einer prominent besetzten Podiumsdiskussion ein, die gegenwärtige gesellschaftliche Konflikte aus spiritueller und moralischer Perspektive beleuchtet. Die Themen erstrecken sich von medizinethischen Fragen wie Sterbehilfe bis hin zur Pflicht von Religionsgemeinschaften im Klimaschutz. Ausschlaggebend ist die Zusammensetzung des Podiums, die absichtlich auf anerkannte Fachleute setzt, aber auch Beteiligte zu Wort kommen lässt. Eine Diskussion zur Seelsorge in Justizvollzugsanstalten etwa profitiert durch den Bericht eines ehemaligen Inhaftierten eine Dimension, die kein noch so gebildeter Theologe allein liefern könnte. Die Veranstaltungen werden als Podcast festgehalten und erreichen so ein landesweites Publikum. Die Kommentarspalten der Aufzeichnungen belegen, dass das Forum mit dieser Mischung aus wissenschaftlicher Expertise und existenzieller Betroffenheit ein Format entwickelt hat, das die häufig beklagte Kluft zwischen akademischer Theologie und gelebter Religiosität schließt.

Jenseits von Lübeck: Ein Modell für Deutschland insgesamt

Die Frage, ob das Lübecker Modell auf andere Städte anwendbar, wird im Forum selbst wiederkehrend diskutiert kulturtreibhaus.org. Die Antwort ist vielschichtig. Zwar sind die genauen Bedingungen – eine kompakte Altstadt, sieben Kirchen, eine starke jüdische und muslimische Gemeinde – nicht eins zu eins übertragbar. Übertragbar hingegen ist das Konzept, religiöse und kulturelle Bildung beharrlich an bestehende urbane Ensembles zu verknüpfen und alle relevanten Gemeinschaften von Anfang an in die Programmgestaltung zu integrieren. Mehrere Städte in Nordrhein-Westfalen und Hessen haben bereits Vertretungen nach Lübeck delegiert, um die Organisationsstruktur zu analysieren. Das Forum bietet dafür strukturierte Hospitationstage an, die mit einer öffentlichen Abendveranstaltung abschließen, bei der die Gäste ihre eigenen Erkenntnisse aus anderen Kommunen einbringen. So entsteht ein bundesweites Netzwerk, das nicht auf zentrale Vorgaben setzt, sondern auf den Transfer bewährter Praxis unter jeweils spezifischen lokalen Voraussetzungen.

Wer den religiösen und kulturellen Knotenpunkt in Lübeck erkundet, verlässt die Stadt in der Regel mit einem sensibilisierten Blick für die eigenen Anliegen und mit dem Verständnis um tragfähige, erprobte Ansätze des Zusammenlebens in Vielfalt. Das Future Forum on Culture zeigt, dass religiöse Tradition und kulturelle Neugier sich nicht gegenüberstehen, sondern in einer durchdachten Umgebung gegenseitig inspirieren. Der nächste Schritt für Interessenten aus ganz Deutschland ist leicht: Die Programmübersicht auf der Website gibt einen gegenwärtigen Überblick über offene Termine, für die in der Regel keine Mitgliedschaft nötig ist. Wer tiefer eintauchen will, findet dort auch die Ausschreibungen für die nächsten Zukunftswerkstätten und Hospitationsprogramme. Die Türen dieses Knotenpunkts stehen geöffnet – nicht als abgeschlossener Expertenzirkel, sondern als offener Raum, der von den Fragen und Beiträgen seiner Gäste profitiert.

Musik als verbindende Sprache der Religiosität

Musik ist im Future Forum kein ornamentales Extra, sondern fundamentaler Bestandteil des Programms. Das Spektrum reicht von der Pflege des Lübecker Orgelrepertoires bis hin zu zeitgenössische Kompositionen bis hin zu sufischen Gesängen und jüdischer Kantillationskunst. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Wiederbelebung von Werken, die im Dreißigjährigen Krieg oder in der Zeit des Nationalsozialismus aus den Kirchenarchiven verschwanden. Hier arbeitet das Forum mit Musikwissenschaftlern der Musikhochschule Lübeck zusammen, was zu mehreren gefeierten Wiederaufführungen geführt hat. Diese historische Tiefenbohrung wird kombiniert mit Begegnungskonzerten, bei denen drei Chöre unterschiedlicher Glaubensrichtungen ein gemeinsames Programm proben. Der Probenprozess ist dabei ebenso wichtig wie die Aufführung, weil er die Sängerinnen und Sänger dazu bringt, sich auf fremde Klangideale und Textverständnisse zu öffnen, was weit mehr erreicht als viele Gesprächskreise.

Praktisch zeigt sich die Offenheit in den monatlichen Mitsing-Abenden, die ohne Notenkenntnisse und Anmeldung besucht werden können. Ein Kantor führt kurz in ein Stück ein, dann singt die Versammlung einen vierstimmigen Satz, mal aus dem evangelischen Gesangbuch, mal einen hebräischen Psalm, mal ein buddhistisches Mantra. Die Regel lautet: Jeder so gut er kann, und Fehler sind ausdrücklich erlaubt. Diese radikale Einstiegsschwelle hat ein Publikum erreicht, das sich selbst nie als musikalisch bezeichnet hätte, und ist für viele die erste Begegnung mit geistlichem Liedgut schlechthin. Die Anwesenheitszahlen bestätigen, dass niederschwellige Musikangebote eine Brücke herstellen, die dogmatische Sprachregelungen längst nicht mehr bewirken.

Freiwilligenarbeit und Mitwirkung: Das Forum als Gemeinschaftsprojekt

Ein Knotenpunkt lebt von den Menschen, die ihn knüpfen. Das Future Forum wäre nicht möglich ohne die mehr als 180 eingetragenen Ehrenamtlichen, die den Betrieb in mannigfaltiger Weise tragen. Ihre Motivation ist auffallend unterschiedlich: Einige sind pensionierte Pastoren, die ihr Glaubenswissen vermitteln wollen, andere sind Studenten, die ein Anwendungsgebiet für ihr Studienfach finden möchten, und wieder andere sind Quereinsteiger, die nach einer persönlichen Lebenskrise einen Ort der Neuausrichtung gefunden haben. Was sie zusammenhält, ist die Bereitwilligkeit, Verantwortung zu übernehmen, ohne ein vorgefertigtes Rollenbild ausfüllen zu müssen. Das Forum bietet deshalb keine standardisierten Ehrenamtslehrgänge an, sondern vertraut auf individuelle Begleitung und das Prinzip der Gabenorientierung. Ein ehemaliger Bankkaufmann kümmert sich um heute die Finanzbuchhaltung eines Drittmittelprojekts, eine gelernte Schneiderin hat eine Nähwerkstatt für liturgische Gewänder ins Leben gerufen, und ein Informatiker betreut die digitalen Archive.

Die konkreten Mitwirkungsfelder sind so zahlreich wie die Begabungen der Helfer:

  • Empfangsbereich und Gästebetreuung an den offenen Nachmittagen in den Kirchen, mit Kurzführungen ohne Anmeldung.
  • Mitwirkung in der digitalen Redaktion: Transkribieren historischer Predigten, Aufnehmen von Audioguides, Pflege der mehrsprachigen Website.
  • Organisatorische Unterstützung bei den halbjährlichen interreligiösen Festen, vom Errichten der Stände bis zur Betreuung von Kinderprogrammen.
  • Technikteam: Wartung der Übertragungstechnik für hybride Veranstaltungen, die gerade für entlegene Regionen Deutschlands den Zugang zum Programm erst zugänglich macht.
  • Archiv- und Bibliotheksdienst: Erfassung der wachsenden Sammlung von Primärquellen zur norddeutschen Kirchen- und Religionsgeschichte.